[Rezension] Cayla Kluver – Alera

Von der Naiven zur Starken

Was mir an dem Buch gleich beim Auspacken besonders positiv ausgefallen ist, war die Umschlagsgestaltung, das verwendete Papier, der strukturierte und glänzende Druck, die floralen Muster, die verschnörkelte Schrift u.v.m. Der Verlag und die Graphiker haben es wirklich geschafft, die Optik perfekt mit dem Inhalt zu vereinen. Ein echtes Schmuckstück fürs Bücherregal – da werden meine anderen Bücher neidisch

Bei den ersten 50 Seiten musste ich wirklich gegen meinen inneren Schweinehund ankämpfen, das Buch nicht wieder wegzulegen, denn Alera war in ihrem Verhalten und Ansichten sooo unglaublich naiv, bis an die Schmerzgrenze! So naiv ist doch keine 17-Jährige. Dann dachte ich mir aber, wenn sie schon nicht stark sein kann, dann muss ich es wenigstens sein, also Augen auf und Weiterlesen. Meine Ausdauer wurde belohnt, denn Alera hatte sich bald gefangen und begonnen, sich wie eine angehende Königin zu verhalten. Da hat der Leser noch mal Glück gehabt

Viele ordnen das Buch ins Genre „Romantic Fantasy“ ein, ich sage, es ist unbedingt ein „modernes Märchen“. Die meisten JuBüs dieser Art spielen in der Zukunft oder in einer parallelen Welt. Alera enthält jedoch alle Elemente eines Märchens, mit Ausnahme der bösen Schwiegermutter.

Cayla Cluver ist es gelungen, eine Geschichte – wie sie sich tatsächlich vor Hunderten von Jahren zugetragen haben könnte, zum Leben zu erwecken. Ihre verträumte Sprache, ihr Wortreichtum, und nichtzuletzt die Details, von altmodischer Kleidung über historische Waffen bis hin zu vergangener Etikette, entführen den Leser in längst vergessene Zeiten und lassen ihn am Hofleben teilhaben.

Ihre Namenswahl für die einzelnen Figuren ist außergewöhnlich. Da sie vom Klang den Figuren anderer Bücher sehr fern sind, ist es anfangs schwierig sich reinzulesen und sich die Namen zu merken. Es zeigt aber auch, dass sich die Autorin von der Konvention bereits erschienener Bücher frei macht und ihren eigenen Weg geht.

Im ersten Teil der Trilogie kämpft Alera nicht gegen irgendwelche Drachen, Vampire oder andere Ungeheuer, sondern gegen sich selbst und die ihr durch den Hof auferlegten Gebote und Verbote, die sie wie ein Korsett einengen. Insofern ist es ein erster wichtiger Schritt, dass Alera sich ihrerselbst und ihrer Rolle am Hof bewußt wird und aufwacht.

Abgesehen von den ersten Seiten kann ich diesen Roman jedem Leser empfehlen, egal welchen Alters, der von Märchen, RoFa und Jane Austen-Romanen nicht genug bekommen kann. Ein bezaubernder Debut-Roman!

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