[Rezension] Alberto Torres Blandino – Salvador und der Club der unerhörten Wünsche

Be careful what you wish for, cause it could come true

Salvador arbeitet als Reinigungskraft auf einem spanischen Flughafen, beobachtet dabei die Passagiere und Arbeitskollegen und mischt sich auch schon mal gern in ihre Angelegenheiten ein.

Das Buch macht erst dann richtig Spaß, wenn man sich gerade in einem Terminal befindet und auf den nächsten Flieger wartet. Dann kann der Leser der gleichen Tätigkeit nachgehen wie Salvador – nein, nicht putzen, sondern zwischen einzelnen Absätzen immer wieder hochschauen und die Leute und das Treiben um sich herum beobachten.

Was den Club der unerhörten Wünsche anbelangt, möchte ich dem zukünftigen Leser nichts verraten, das kann er selbst auf seiner nächsten Lesereise herausfinden. Letztendlich stellt dieses Buch eine zentrale Frage – wer ist man und was für Konsequenzen nimmt man in Kauf, damit sich bisher unerfüllte Wünsche doch noch erfüllen?

Die von Blandina gewählte Erzählform ist wahrscheinlich nicht neu, aber ich habe sie bisher in keinem anderen Buch erlebt. Er zeichnet keine Dialoge auf, sondern gibt die einseitigen Beobachtungen von Salvador wider. Dadurch erzielt Blandina einen Telefon-Effekt, wo man an der einen Seite des Telefons lauscht, die Fragen, Antworten und Erzählungen der anderen Person wie in einem Puzzle zusammensetzt. In der ersten Hälfte des Buches hat mich dieser Stil fasziniert, in der Mitte so ermüdet, dass ich das Buch sogar für eine Weile beiseite legen musste. Aber dann konnte ich mich doch wieder zum Weiterlesen aufrappeln und habe es keinesfalls bereut, denn zum Ende hin nimmt die Geschichte richtig Fahrt, bzw. Höhenkilometer auf (deshalb nur 4 Sterne). Die Besserung zum Ende liegt va. daran, dass dieser einseitige Erzählstil Salvadors in den Hintergrund rückt und sich die Puzzleteile der Geschichte zusammenfügen.

Wenn ich dem Autor einen Ratschlag auf den Weg geben könnte, würde ich ihn bitten, die „ha ha“ und „hi hi“ bei Salvador zu vermeiden. Kein Erwachsener mit Kind und Kegel spricht so. ME kann man es besser zum Ausdruck bringen, indem man Salvador in Gedanken sagen lässt „ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen“ oder „gab ich ihm lächelnd zu verstehen“ oÄ. Bei den Hahas und Hihis wurde jedesmal mein Lesefluss unterbrochen und ich hab mich ersthaft gefragt, wieso ein 60Jähriger so spricht. Vielleicht ist es auch einfach eine Frage der Übersetzung.

Was mir noch positiv aufgefallen ist, war die Umschlagsgestaltung und das Layout. Mit dem gelben und orangenen Bildern auf dem Cover und dem elfenbeinweißen, grischligen Papier hebt es sich von den anderen Büchern in der Buchhandlung stark ab. Die Bilder an den Kapitelanfängen stimmen auf den nächsten Absatz ein.

Mein Fazit: Es ist ein gutes Buch mit ein paar kleinen Schwächen, über die man aber hinwegsehen sollte, da es sich lohnt, hinter die Geheimnisse des Clubs und die „Moral der Geschicht“ zu kommen.

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