[Rezension] Jonathan Tropper – Sieben verdammt lange Tage

eine etwas andere jüdische Familiengeschichte…

„Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich voller Vorfreude das Buch zu lesen: Die Familie Foxman, die bisher eher wenig miteinander zu tun hat und z.T. miteinander zerstritten ist, soll eine 7-tägige Totenwache für ihren kürzlich verstorbenen Vater und Ehemann halten. Ich dachte mir, dass die Familienmitglieder die meiste Zeit in einem Raum zusammensitzen und über ihre Vergangenheit debattieren. Weit gefehlt – Tatsache ist, dass, obwohl das Buch fast nur die 7 Tage Shiewa enthält, die meiste Zeit die Handlung außerhalb des Hauses stattfinden und damit meine ich nicht die Rückblenden in die Vergangenheit. Ständig stürmen die Protagonisten aus dem Haus, um sich mit Frauen zu treffen, Nachbarn abzuholen, eine Spritztour zu machen, in die alte Schule einzubrechen oder einfach mal einen brüderlich saufen gehen. Da ich kein Jude bin, kann ich nicht sagen, ob ich den Brauch der Schiwa einfach nur falsch verstanden habe oder ob sich Jonathan Tropper künstlerische Freiheiten genommen hat. Ich habe für mich irgendwann akzeptiert, dass es Letzteres sein muss, schließlich wurde das Buch durch die „Ausflüge“ auch interessanter und ich konnte die einzelnen Puzzlestücke der Geschichte zusammensetzen. Trotz dem Titel „7 verdammt lange Tage“ ist das Buch recht kurzweilig geschrieben und bietet die perfekte Mischung aus anspruchsvoller Familiengeschichte und einem amüsanten Unterhaltungsroman. Die Detailverliebtheit des Autors ist mir bereits nach den ersten Seiten positiv ins Auge gefallen. Tropper hat ein genaues Bild der Szenen in seinem Kopf und projiziert diese 1:1 in die Worte und damit auf den Leser. Er beschreibt jedes Detail und überlässt nichts dem Zufall. Ganz anders verhält es sich bei den Personenbeschreibungen. Hier verliert Tropper kaum ein Wort über Aussehen und Charakterzüge. Erst durch die Beschreibung der Szenen und der Vergangenheit kann sich der Leser ein Bild der Hauptdarsteller machen und erkennt, warum sie sind, wie sie sind. Schon allein der Schreibstil ist es wert, dieses Buch zu lesen.”

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