[Rezension] Janne Teller – Nichts

ALLES, was im Leben wichtig ist!

Das Buch kommt sehr unscheinbar daher – ein weißes Cover mit leichtem Schimmer, „NICHTS“ steht ebenfalls in weißen, aber glänzenden Lettern auf dem Cover und dazu gibt es noch ein wenig mehr Text in Orange und Lila.

Die Schüler einer dänischen Dorfschule wollen ihrem Mitschüler Pierre Anthon beweisen, dass alles eine Bedeutung hat und so fangen sie an, in einem alten Sägewerk den „Berg der Bedeutung“ zu erschaffen.

Ich möchte zu dem Inhalt nicht zu viel verraten, außer das mich diese Geschichte zutiefst bewegt und schockiert hat. Was mit harmlosen Gegenständen anfängt, entwickelt plötzlich so eine Eigendynamik und bei jeder weiteren Sache, die dem Berg geopfert werden soll, dachte ich mir „das könnt ihr jetzt nicht bringen“ / „das passiert bestimmt nicht“ / „irgendjemand muss doch mal aufwachen und die KINDER aufhalten“. Aber jedes Mal kommt es zum Äußersten.

Das Buch zielt in eine ähnliche Richtung wie „Die Welle“, aber „Nichts“ ist zeitlos und doch so zeitnah, immer aktuell. Kein Wunder, dass dieses Buch an dänischen Schulen zum Pflichtprogramm gehört.

Ein im wahrsten Sinne des Wortes bedeutungsschwangeres und unvergessliches Buch. Unbedingt Lesen! Na los!!!

[Rezension] Peter Prange – Himmelsdiebe

Über Liebe ohne Liebe

„Ein Roman über die Kunst der großen Liebe. Über die Grenzen der Phantasie. Und über die Macht der Leidenschaft.“

Eine passende Beschreibung für alles, was man im Buch nicht findet.

Erstmals zu dem, was mir positiv aufgefallen ist: Das Cover.

Nun zu den Schwachstellen des Buches: Zwischen den Hauptfiguren Laura Paddington und Harry Winter besteht keinerlei Bindung, von Liebe oder Romantik ganz zu schweigen. Alles an der Geschichte wirkt erzwungen.

Peter Prange nutzt Symbole, die anstatt zu verdeutlichen, nur laut und ohne Widerhall schreien. Das Buch bedient alle Klischees, die man von Kunst und Liebe erwartet.

Besonders negativ ist mir aufgefallen, dass der Autor Probleme hat, Dinge beim Namen zu nennen (es handelt sich hierbei definitiv nicht um künstlerische Freiheit).

Die Protagonisten Laura und Harry sind psycho / weltfremd und nicht im geringsten liebenswert.

Wer ein Buch über die Liebe lesen möchte oder sich einen wahrhaftigen, literarischen Einblick in die Thematik des 2. Weltkrieges verschaffen möchte, macht am besten einen großen Bogen um die „Himmelsdiebe“.

[Rezension] Jackson Pearce – 3 Wünsche hast du frei

eigentlich habe ich nur einen Wunsch…

nämlich den nach einem guten Buch. Dieses Buch hat meine hohen Erwartungen auf keinen Fall erfüllt, daher werde ich dafür auch keine Leseempfehlung geben.

Viola beschwört einen Dschinn (Pluspunkt: kein Vampir), nur weigert sie sich aus pseudo-intellektuellen Gründen, sich etwas zu wünschen. Solange sie keine 3 Wünsche geäußert hat, muss der Dschinn auf der Erde bleiben und altert und vegetiert vor sich hin.

Die Handlung ist so banal, dass das Lesen schon anstrengend wird. Die Wünsche sind einfallslos und vorhersehbar. Hände weg!

etwas Kurioses

Das habe ich beim Surfen auf Amazon gefunden. Es ist schon erstaunlich, für wie viele Bücher-Cover man das gleiche Foto verwenden kann – und dann noch mit so unterschiedlichen Gechichten.

[Rezension] Andrea Koßmann – Männertaxi

ICH SACH MAL SO, JAWOLL JA!!!

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch lesen soll. Zum einen liegen mir Frauenbücher überhaupt; sie sind immer so oberflächlich, abgedroschen und klischeehaft. Zum anderen kenne ich wie viele andere auch Kossi durch ihren Blog: http://www.andreakossmann.online.de/

Sie beweist wirklich einen sehr guten Büchergeschmack, aber die Leseprobe zum Buch war eher schwach und es wäre mir sehr schwer gefallen, Kossi’s Literaturempfehlungen mit den gleichen Augen zu sehen lesen, wenn das Buch meine zugegebenermaßen hohen Erwartungen nicht erfüllt hätte.

Isa gründet zusammen mit ihrer Freundin Pia ein Männertaxi. Frauen bestellen sich einen Mann zu verschiedensten Anlässen. Das Buch hat mich positiv umgehauen. Auch wenn es nicht nobelpreisverdächtig ist, so erhalten alle Charaktere im Laufe der Erzählung sehr viel Tiefe. Sie erleben, lernen und verändern sich. Begleitet wird das ganze von sehr viel Humor, aber es werden auch traurige und wütende Situationen geboten. Alle Charaktere (außer mit Ausnahme von Wolfs Frau 🙂 ) sind sehr sympatisch.

Bis zum Ende habe ich mitgefiebert, für welches Herzblatt sich Isa entscheiden wird. Isa’s Traumprinz war zwar nicht vorhersehbar, aber ich habe bis zum Schluss gehofft, dass es der Mann wird, den auch ich als beste Partie für Isa gesehen habe.

Das Buch hat mir einige unterhaltsame, lustige und auch nachdenkliche Stunden beschert. Absolute Leseempfehlung!!!

[Rezension] Jonathan Tropper – Sieben verdammt lange Tage

eine etwas andere jüdische Familiengeschichte…

„Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich voller Vorfreude das Buch zu lesen: Die Familie Foxman, die bisher eher wenig miteinander zu tun hat und z.T. miteinander zerstritten ist, soll eine 7-tägige Totenwache für ihren kürzlich verstorbenen Vater und Ehemann halten. Ich dachte mir, dass die Familienmitglieder die meiste Zeit in einem Raum zusammensitzen und über ihre Vergangenheit debattieren. Weit gefehlt – Tatsache ist, dass, obwohl das Buch fast nur die 7 Tage Shiewa enthält, die meiste Zeit die Handlung außerhalb des Hauses stattfinden und damit meine ich nicht die Rückblenden in die Vergangenheit. Ständig stürmen die Protagonisten aus dem Haus, um sich mit Frauen zu treffen, Nachbarn abzuholen, eine Spritztour zu machen, in die alte Schule einzubrechen oder einfach mal einen brüderlich saufen gehen. Da ich kein Jude bin, kann ich nicht sagen, ob ich den Brauch der Schiwa einfach nur falsch verstanden habe oder ob sich Jonathan Tropper künstlerische Freiheiten genommen hat. Ich habe für mich irgendwann akzeptiert, dass es Letzteres sein muss, schließlich wurde das Buch durch die „Ausflüge“ auch interessanter und ich konnte die einzelnen Puzzlestücke der Geschichte zusammensetzen. Trotz dem Titel „7 verdammt lange Tage“ ist das Buch recht kurzweilig geschrieben und bietet die perfekte Mischung aus anspruchsvoller Familiengeschichte und einem amüsanten Unterhaltungsroman. Die Detailverliebtheit des Autors ist mir bereits nach den ersten Seiten positiv ins Auge gefallen. Tropper hat ein genaues Bild der Szenen in seinem Kopf und projiziert diese 1:1 in die Worte und damit auf den Leser. Er beschreibt jedes Detail und überlässt nichts dem Zufall. Ganz anders verhält es sich bei den Personenbeschreibungen. Hier verliert Tropper kaum ein Wort über Aussehen und Charakterzüge. Erst durch die Beschreibung der Szenen und der Vergangenheit kann sich der Leser ein Bild der Hauptdarsteller machen und erkennt, warum sie sind, wie sie sind. Schon allein der Schreibstil ist es wert, dieses Buch zu lesen.”

[Rezension] David Leviathan – Das Wörterbuch der Liebenden

Experiment geglückt!

David Leviathan hat mit dem „Wörterbuch der Liebenden“ die ursprünglich nüchternde, objektive Art des Lexikons aufgeweicht und füllt die einzelnen Worte mit viel Leben und Gefühl aus. Würde das Buch nicht in Lexikonform publiziert werden, wäre es eine reine Beziehungspornographie. Aber Leviathan hat die Kurve gekriegt.

Obwohl es das „Wörterbuch der Liebenden“ heißt, wäre der Titel „Das Wörterbuch des Verlassenen“ passender. Auch wenn ER immer wieder über die schöne Zeit mit IHR schreibt, werden die meisten Stichworte von seiner Verzweiflung und Wut an ihrem Verrat zerfressen. Der Grundtenor des Buchs ist eher negativ.

Die im Buch verwendeten Wortspiele leiden durch die Übersetzung ins Deutsche und die englische Fassung lässt noch bis 2011 auf sich warten.

Von der Poesie her ist es ein Buch, dass man auf keinem Fall in einem Zug auslesen sollte, die Worte müssen sanft und langsam in den Augen zergehen 🙂

Es war schön das Buch zu lesen, aber ich bezweifle, dass es mir im Kopf bleiben wird, da es mich weder schockiert noch positiv bewegt hat; es war ein Zeitvertreib, deshalb nur 3 Sterne. 

– SWAK –

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